Roland Lakk
Seit ich denken kann, zeichne ich. Als Kind hatte ich jedoch nicht immer Papier und Bleistift zur Hand – aber das hielt mich nicht auf: Auf dem Schlacke-Fußballplatz in Várpalota zog ich Linien in den Staub mit meinen strahlend weißen Turnschuhen, oder ich zeichnete mit roten Ziegelsteinen an die bröckelnden Wände der alten Häuser der Stadt. Wenn ich in der Schule Kreide ergattern konnte, hockte ich stundenlang auf dem Asphalt und zeichnete. …In den 80er-Jahren gewann ich sogar einmal einen Asphaltzeichenwettbewerb während der Bergarbeitertage. Und ein anderes Mal wurde ich in Agárd bei einem spontanen Zeichenwettbewerb ausgezeichnet – ich war acht Jahre alt und gewann ein Ticket für ein Edda-Konzert.
In der Schule war ich im Singen nicht besonders gut, bekam aber trotzdem immer die Bestnote – ich zeichnete einfach die berühmten Komponisten für die Lehrerin, und sie war völlig begeistert. All diese Erlebnisse brauchte es wohl, um mich auf den Weg zu bringen, der schließlich zur Kunst führte.
Schon meine Freunde aus Kindertagen sagten damals, wenn ich so gerne zeichne, warum ich dann nicht tätowiere. Aber damals gab es in meinem Umfeld kein inspirierendes Vorbild. Die schlechten Tattoos meines Stiefvaters schreckten mich eher ab, sodass ich bis in meine Jugend hinein nie wirklich schöne Arbeiten auf der Haut gesehen hatte. Erst in Zeitschriften begegneten mir Tätowierungen, die mich wirklich faszinierten und wie Kunstwerke wirkten.
In der Armee, 1994, kam dann die Realität: Mehrere Kameraden tätowierten im Rausch der Begeisterung die anderen Soldaten, die geduldig in der Reihe standen. Auch ich durfte dieses neue "Zeichenwerkzeug" ausprobieren. Es war pure Qual: auf lebender Haut zu arbeiten, mit einer Nadel, deren Tiefe, Winkel, Stärke – also die Technik – ich überhaupt nicht kannte. Und das alles mit improvisierten Maschinen: Walkman-Motor, Stecknadel im Druckbleistift, Tusche…
Nach dem Wehrdienst führte mich das Leben anderswohin: Ich wurde Porzellanmaler in der Porzellanmanufaktur Herend. Ich hoffte auf eine große Karriere, lernte jedoch vor allem, wie es ist, Muster nach Vorgaben zu kopieren und monotone Arbeit zu verrichten. Fast zwanzig Jahre arbeitete ich dort – inklusive der Ausbildungszeit. Deshalb weiß ich ganz genau, wie anders es ist, selbstständig zu sein.
Doch in den Jahren als Porzellanmaler gab es etwas, das wirklich spannend war: Zehn Jahre lang besuchte ich einen bildkünstlerischen Arbeitskreis, in dem ich von einem genialen Maler, Tibor Kádár, lernen durfte. Wir tauchten tief in die Malerei ein, und in dieser Zeit entstanden Hunderte von Bildern in den unterschiedlichsten Techniken.
Währenddessen füllten die Abende – nach meiner Frühschicht in der Porzellanmalerei – bereits das Tätowieren.
Seit 2009 tätowiere ich in Deutschland, und 2013 gründete ich mein eigenes Studio, das ich bis heute gemeinsam mit meiner Frau Petra führe.



